brautkleider
 
 
Vernunftehen
Vernunftehen waren Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts und in einigen Regionen auch noch später üblich. Frauen hatten damals oft nur die Entscheidung zwischen zwei Übeln zu treffen. – Entweder wählte die Frau einen Mann, den sie bestenfalls im Laufe der Zeit lieben lernte. Oder sie entschied sich für ein Leben als „alte Jungfer“ und kam selber für ihren Lebensunterhalt auf, indem sie schlecht bezahlte Jobs zum Beispiel als Erzieherin oder Haushälterin annahm. – In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass eine Lehrerin im Schuldienst zu dieser Zeit ihrem Beruf lediglich so lange nachkommen durfte, wie sie ledig war. Mit einer Hochzeit fand die Anstellung von Gesetzes wegen ihr Ende.

Für die Frau war die Entscheidung für die Ehe die beste Art der sozialen Absicherung, jedoch auch nur, so lange der Mann am Leben war. Wenn der Ehemann verstarb, waren die Frauen häufig gezwungen ein Leben in ärmlichen Verhältnissen zu führen. Ein unabhängiges Leben oder sogar eine eigenständige Karriere wie es für die Frauen von heute selbstverständlich ist, war für die Frauen zu dieser Zeit nicht denkbar.

Die Position der Frauen hat sich im 21. Jahrhundert glücklicherweise stark geändert und reine Vernunftehen gehören hierzulande beinahe ausschließlich der Vergangenheit an. Die meisten heiratswilligen Paare geben heute Liebe als Beweggrund für die Entscheidung zur Ehe an.